Weiterentwicklung des Rorschach Verfahrens in Europa und den USA
Das Rorschach Verfahren fand in Europa und in den Vereinigten Staaten weite Verbreitung. Während sich in den USA eine eher systematisch strukturierter Ansatz des Rorschachtests entwickelte, wurden in Europa die von den Probanden gebotenen Inhalte eher subjektiv interpretiert, wobei vor allem psychoanalytische und psychodynamische Theorien im Vordergrund standen.
Nachdem das Verfahren bei der Veröffentlichung noch nicht vollständig war, kamen viele Details und Regeln erst später hinzu (z. B. Schattierungen, achromatische Farben, Inquiry, etc.). Rorschach selbst konnte diese Determinanten nicht mehr spezifizieren, weshalb sich nach seinem Tod im Laufe der Jahre verschiedene Auswertungssysteme entwickelten.
Europa: Vertreter Ewald Bohm
In Europa bemühte sich Ewald Bohm (1903–1980), ein dänisch-schweizerischer Psychologe, um eine Integration der verschiedenen Ansätze. Er fasste die Beiträge anerkannter Wissenschaftler zur Rorschach Diagnostik zusammen und entwickelte deren Ansätze weiter. Sein »Lehrbuch der Rorschach Psychodiagnostik« erschien in der ersten Auflage 1958 und gilt auch heute noch als Standardwerk. Im »Psychodiagnostisches Vademecum« (3. Auflage 1975) finden sich zusammenfassende Tabellen und Übersichten als Hilfe für den erfahrenen Rorschach-Anwender.
Ewald Bohm hat die Rorschach Diagnostik im deutschen Sprachraum maßgeblich beeinflusst. Gemäß seinen Empfehlungen werden bis heute die Rorschach Tafeln vorgegeben und ausgewertet.
Ewald Bohm hat die Rorschach Diagnostik im deutschen Sprachraum maßgeblich beeinflusst. Gemäß seinen Empfehlungen werden bis heute die Rorschach Tafeln vorgegeben und ausgewertet.
Literatur
Bohm, E. (1974). Der Rorschachtest. Bern [u. a.]: Huber.
Bohm, E. (1972). Lehrbuch der Rorschach-Psychodiagnostik: für Psychologen, Ärzte u. Pädagogen. 4., verb. Auflage. Bern [u. a.]: Huber.
Bohm, E. (1975). Psychodiagnostisches Übungsbuch: eine Beispielsammlung von Rorschach-Übungsfällen. Bern: Huber.
Bohm, E. (1975). Psychodiagnostisches Vademecum: Hilfstabellen für den Rorschach-Praktiker. 3. Auflage. Bern: Huber.
USA: Vertreter John E. Exner mit dem Comprehensive System (CS)
In den USA begann John E. Exner in den 60er Jahren, die fünf in den USA meist verbreiteten Auswertesysteme hinsichtlich wissenschaftlich fundierter Komponenten zu einem einzigen standardisierten Vorgabe-, Auswertungs- und Interpretationssystem zu integrieren. Hierbei wurden die Ansätze von Samuel Beck, Bruno Klopfer, Marguerite Hertz, Zygmunt Piotrowski und David Rapaport herangezogen.
Ursprünglich wollte Exner lediglich eine Arbeit über die Unterschiede zwischen Becks und Klopfers System schreiben. Die unterschiedlichen Zugänge und die Animositäten zwischen Beck und Klopfer legten somit den Grundstein für die Entstehung des »Comprehensive System – CS«.
Exner initiierte eine Vielzahl an Studien und begann, einen großen Datenpool für Gesunde und psychiatrische Patienten anzulegen. Das Comprehensive System stellt den ersten empirischen Ansatz für den Rorschachtest dar. In den folgenden Jahrzehnten wurde das System durch die Zusammenarbeit vieler Wissenschaftler ständig erweitert und verbessert. Es bestehen nun klare, einheitliche Richtlinien bezüglich Vorgabe, Signierung und Interpretation der erhobenen Antworten.
Zur Integration von amerikanischem und europäischem System
Es gibt heute Bemühungen, die beiden Systeme von Exner und Bohm miteinander zu verbinden.
Helge Malmgren erörtert dazu in einem Internetartikel, dass manche Differenzen nur oberflächlich bestehen und leicht beseitigt werden könnten (z. B. die unterschiedliche Benennung derselben Parameter). Darüber hinaus gibt es sowohl bei Exner wie auch bei Bohm Besonderheiten, die ohne großen Aufwand mit dem jeweils anderen System kompatibel wären, wie z. B. das Erfassen der Reaktionszeiten bzw. der Sonderphänomene bei Bohm.
In manchen Bereichen bestehen nach wie vor Unterschiede, wie z. B. bei der Signierung von Bewegungsantworten sowie bei der Vorgabe und Protokollierung der Tafeln, die schwieriger zu integrieren wären.
In manchen Bereichen bestehen nach wie vor Unterschiede, wie z. B. bei der Signierung von Bewegungsantworten sowie bei der Vorgabe und Protokollierung der Tafeln, die schwieriger zu integrieren wären.
Literatur
Exner, J. E. & Erdberg, S. P. (2005). The Rorschach, A Comprehensive System (Vol 2, third Edition). Hoboken, New Jersey: John Willey & Sons, Inc.
Malmgren, H. Differences between Bohm and Exner.
URL: http://www.phil.gu.se/fu/ro.html
(Stand 13. Februar 2007, abgerufen am 25. Juli 2007)
URL: http://www.phil.gu.se/fu/ro.html
(Stand 13. Februar 2007, abgerufen am 25. Juli 2007)